Die vollständige Checkliste: 80+ Punkte für die Familienvorsorge
Was passiert, wenn morgen jemand ins Krankenhaus kommt — und niemand weiß, wo die Vollmacht liegt? Wenn das Bankkonto eingefroren wird, weil keine Bankvollmacht existiert? Wenn der Hausarzt nicht erreichbar ist, weil niemand die Nummer kennt? Diese Checkliste deckt alles ab, was eine Familie in Deutschland geregelt haben sollte. Nicht alles ist für jede Familie relevant — aber alles, was relevant sein könnte, ist hier aufgelistet. Gehen Sie die Liste durch, markieren Sie, was vorhanden ist, und identifizieren Sie die Lücken.
Bereich 1: Rechtliches
Rechtliche Dokumente sind das Fundament jeder Vorsorge. Ohne sie entscheiden im Ernstfall Gerichte und Fremde — nicht Ihre Familie.
Kernpunkte (sollte jeder haben): - Vorsorgevollmacht — Bestimmt, wer für Sie entscheidet, wenn Sie es nicht mehr können. Ohne sie bestellt das Gericht einen Betreuer. - Patientenverfügung — Legt fest, welche medizinischen Behandlungen Sie wünschen oder ablehnen. - Betreuungsverfügung — Sicherheitsnetz: benennt, wen das Gericht als Betreuer bestellen soll. - Testament — Regelt, wer erbt. Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge — die selten den Wünschen entspricht. - Kontakt Erbrechtsanwalt — Ein Ansprechpartner für Nachlassfragen.
Weitere wichtige Punkte: - Schweigepflichtentbindung — Ohne sie dürfen Ärzte Angehörigen keine Auskunft geben, selbst im Notfall. - Sorgerechtsverfügung — Für Familien mit minderjährigen Kindern: wer bekommt das Sorgerecht? - Treuhandverträge / Trust Documents — Falls vorhanden: wo sind sie, wer ist Treuhänder?
Bereich 2: Versicherungen
Im Ernstfall muss die Familie wissen: Welche Versicherungen existieren, welche Policennummern gelten, und wen man anrufen kann.
Kernpunkte: - Krankenversicherung — Gesetzlich oder privat? Policennummer, Versichertenkarte-Standort. - Lebensversicherung — Policendetails, Begünstigte, Deckungssumme. - Berufsunfähigkeitsversicherung — Einkommensschutz bei Arbeitsunfähigkeit. - Haftpflichtversicherung — Persönliche Haftpflicht für Schäden an Dritten. - Wohngebäude-/Hausratversicherung — Schutz für Haus und Inhalt. - KFZ-Versicherung — Fahrzeugversicherung und Policennummer. - Kontakt Versicherungsberater — Hauptansprechpartner für alle Policen.
Weitere wichtige Punkte: - Sterbegeldversicherung — Viele Ältere haben Policen, von denen die Familie nichts weiß. Deckt Bestattungskosten. - Private Krankenzusatzversicherung — Chefarztbehandlung, Einzelzimmer, Zahnzusatz. - Pflegeversicherung — Absicherung für Pflegebedarf im Alter. - Beihilfe (Beamte) — Beihilfeansprüche und Leistungsdetails.
Bereich 3: Finanzen
Wenn der Kontoinhaber ausfällt und niemand Zugriff hat, können Rechnungen nicht bezahlt werden. Lastschriften platzen. Die Familie gerät in finanzielle Schwierigkeiten.
Kernpunkte: - Hauptbankkonto — Bank, IBAN, wer hat Zugriff? Online-Banking über welches Gerät? - Anlage- und Altersvorsorge — Riester, bAV, Depots, ETF-Sparpläne, Begünstigte. - Offene Schulden / Kredite — Alle laufenden Kredite, Ratenzahlungen, Kreditkartenschulden. - Rente / Sozialversicherung — Gesetzliche Rente, Betriebsrente, private Vorsorge. - Kontakt Finanzberater — Finanzplaner oder Anlageberater. - Kontakt Steuerberater — Wer die jährliche Steuererklärung betreut.
Weitere wichtige Punkte: - Vollmacht über den Tod hinaus — Ohne transmortale Bankvollmacht wird das Konto nach dem Tod eingefroren, bis der Erbschein da ist — das dauert Monate. - Laufende Verträge & Abonnements — Handy, Internet, Streaming, Fitness — jemand muss diese kündigen oder übertragen. - Kryptowährungen / Digitale Vermögenswerte — Wenn die Seed-Phrase verloren geht, sind die Werte unwiederbringlich weg. - Hypothekendetails — Kreditgeber, Restschuld, Zahlungsplan. - Bankschließfach / Tresor — Standort, Zugangscode, wer kann öffnen? - Arbeitgeber-Kontakt — Personalabteilung für Benachrichtigung im Notfall.
Bereich 4: Medizinisches
Der Hausarzt kennt die Krankengeschichte. Ohne ihn fehlt dem behandelnden Arzt der medizinische Kontext.
Kernpunkte: - Aktuelle Medikamentenliste — Alle Rezepte, Dosierungen, verschreibende Ärzte. - Vorerkrankungen — Diagnosen, laufende Behandlungen, medizinische Geschichte. - Allergien — Medikamenten-, Lebensmittel- und Umweltallergien — kritisch für die Notfallbehandlung. - Hausarzt — Name, Praxis, Telefonnummer, Sprechzeiten. - Standort Gesundheitskarte — Wird bei jeder Aufnahme gebraucht. - Organspendeausweis — Dokumentierte Entscheidung zur Organspende.
Weitere wichtige Punkte: - Blutgruppe — Einfach zu notieren, kritisch im Notfall. - Pflegegrad — Falls bereits festgestellt: Grad und zugehörige Leistungen kennen. - Fachärzte — Kardiologe, Endokrinologe, andere regelmäßige Spezialisten. - Bevorzugtes Krankenhaus — Welches Krankenhaus im Notfall? - Notfallkontakte — Über die Familie hinaus: enge Freunde, Nachbarn. - Vorsorgeuntersuchungen — Was ist aktuell, was steht an?
Bereich 5: Eigentum & Dokumente
Identitätsdokumente, Verträge und Zugangsdaten — was die Familie finden muss, um handlungsfähig zu sein.
Kernpunkte: - Personalausweis / Reisepass — Nummer, Ablaufdatum, Aufbewahrungsort. - Geburtsurkunde — Original und wo es liegt. - Steuer-ID / Sozialversicherungsnummer — Für Steuer, Rente, Versicherung.
Weitere wichtige Punkte: - Smartphone-PIN / Zugangscode — Wird nach Operationen oft vergessen. Ohne PIN kein Zugang zu Kontakten, Banking-Apps, 2FA. - Digitaler Nachlass — Passwort-Manager, wichtige Online-Konten, digitale Nachlass-Anweisungen. - Schlüssel & Zugangscodes — Haustürschlüssel, Alarmcodes, Garagenöffner. Wer hat Ersatzschlüssel? - Haustiere — Versorgungsplan — Wer übernimmt das Tier? Tierarzt-Kontakt, Futter, Medikamente. - Wichtige persönliche Kontakte — Enge Freunde und Menschen, die benachrichtigt werden sollten. - Friedhof & Grabpflege — Grabstelle vorhanden? Wo? Wer zahlt die Pflege? - Grundbuchauszug — Eigentumsnachweis für Immobilien. - Fahrzeugbrief — Zulassungsbescheinigung Teil II. - Mietverträge — Laufende Mietverträge mit Konditionen und Vermieter-Kontakt. - Heiratsurkunde — Für Versicherungen, Erbrecht und Behörden.
Was unterscheidet diese Checkliste von einem Notfallordner?
Ein Notfallordner ist ein physischer Ordner mit Kopien und Verweisen. Diese Checkliste geht weiter: sie prüft nicht nur, ob Dokumente existieren, sondern ob sie aktuell, auffindbar und vollständig sind.
Die meisten Familien haben einige dieser Punkte erledigt — aber selten alle. Die gefährlichen Lücken sind die, von denen man nichts weiß.
Typische Lücken, die Familien übersehen: - Vorsorgevollmacht existiert, ist aber nicht beim Zentralen Vorsorgeregister registriert - Bankvollmacht existiert, gilt aber nicht über den Tod hinaus - Testament ist am Computer geschrieben — in Deutschland ungültig - Nur eine Person kennt den Aufbewahrungsort der Dokumente - Krankenversicherungskarte nicht auffindbar - Kein Familienmitglied kennt den Hausarzt
Wie fange ich an?
Nicht alles auf einmal. Gehen Sie bereichsweise vor:
1. Starten Sie mit Rechtliches — Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sind die dringendsten Dokumente. 2. Klären Sie die Finanzen — Wer hat Zugang zum Bankkonto? 3. Sammeln Sie medizinische Informationen — Medikamentenliste und Hausarzt-Kontakt. 4. Prüfen Sie Versicherungen — Welche Policen existieren? 5. Sichern Sie Zugänge — Smartphone-PIN, Schlüssel, digitaler Nachlass.
Markieren Sie für jeden Punkt: vorhanden, fehlt, oder unklar. Was unklar ist, wird zum nächsten Schritt.